20.05.2010 Vortrag Götz


Berliner Wissenschaftliche Gesellschaften im Vergleich

Warum sind wir so und nicht anders?

Peter Götz

Zur Powerpoint-Präsentation

Vortrag am 20.05.2010 im Kaiserin-Friedrich-Haus Berlin anläßlich des 200jährigen Bestehens der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Berlin

Herr Präsident, liebe Mitglieder der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, liebe Gäste.

„Eine Gesellschaft hat ihre Entwicklung wie ein Organismus“  1)

 

Diese Aussage stammt von dem Berliner Genetiker (und Wiederentdecker der Mendelschen Regeln) Carl Erich Correns.

 

– Die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Berlin, zu deren Jubiläum Sie sich hier versammelt haben, hat eine 200-jährige Entwicklungsgeschichte.

 

– Ihre Gründungsväter haben gemäß  ihrer Vorstellungen dieser Gesellschaft

 

• in ihren Gesetzen ein Ziel vorgegeben,

• Handlungsweisen festgelegt und

• durch bestimmte Rituale ihr Wesen geprägt.

 

Mit dieser Ausstattung hat die Gesellschaft über 200 Jahre hinweg bestehen können.

Sie ist damit eine der ältesten privat gegründeten wissenschaftlichen Gesellschaften Berlins geworden.

 

Nur eine wissenschaftliche Privatgesellschaft in Berlin ist noch etwas älter, – sie ist sozusagen die ältere Schwester von ihr – dies ist die „Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin“, die bereits 1773 gegründet wurde und bis heute besteht.

 

Ich möchte die

 

– Geschichte dieser beiden Gesellschaften miteinander vergleichen und die

 

– Gründe für ihre Verschiedenheit analysieren. Nach einem

 

– Blick auf die später entstandenen Wissenschaftsgesellschaften Berlins will ich mit Ihnen über die

 

– Gegenwart und mögliche Zukunft unserer Jubiläumsgesellschaft  nachdenken, und

 

– dem Geburtstagskind  gute Wünsche auf den weiteren Weg mitgeben.

• *Folie 2 – GNF Gründungsgeschichte 1

Gründung – Am 9. Juli 1773 auf Anregung des Arztes und Naturforschers Heinrich Wilhelm Martini (1729 – 1778) in der Wohnung von Dr. Martini.

“Neue Mannigfaltigkeiten“: Aufruf zur Gründung einer privaten naturwissenschaftlichen Vereinigung. Ziel: „alle Wochen für ein paar Nachmittagsstunden zusammenzukommen“. 9.7.1773: Martini lädt 9 Freunde in seine Wohnung ein. 6 folgen der Einladung; Grundregeln („Gesetze“) werden festgelegt.

Protektion von König Friedrich Wilhelm II gesucht:

– Am 25.10 1773 vom Königlichen Geheimen Staatsrat genehmigt als „Privatgesellschaft Naturforschender Freunde“

Recht, ein eigens Siegel zu führen und die Gesetze der Gesellschaft zu drucken. Erspart polizeiliche Genehmigung für die Versammlungen.

Gründungs-mitglieder – 2 Ärzte: – Friedrich Heinrich Wilhelm Martini, (1729 – 1778)

                Sammlung von Conchilien),

              – Martin Elisar Bloch – (1730-1799;  Ichthyologe („Allgemeine

                Naturgeschichte der Fische“), Sammlung heute im

                 MfNaturkunde Berlin, viele Eutypen (Erstbeschreibungen)

– 1 Apotheker: – Johann Andreas Rebelt, 1717-1782, Apotheker und

               Kaufmann

– 2 königliche Beamte: – Johann Christian Ebel, 1723 – 1791, staatlicher

               Holzverwalter, Sammlung von Hölzern

            – Friedrich Wilhelm Siegfried, 1734 – 1809, Königlicher

               Rendant, (= Schatzmeister),  Mineraliensammlung),

– 1 königlicher Kriegsrat: – Balthasar Friedrich Reimari, 1720 – 1794,

                Geheimer Archivar, Sammler naturhistorischer Bücher 

– 1 Direktor der Sternwarte: – Johann Elert Bode, 1747 – 1826, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, astronomische Bibliothek, bekannt durch seine Berechnung der Umlaufbahn des Uranus

Die Bekanntesten – Martin Elisar Bloch: Arzt, weltbekannter Ichthyologe

– – Johann Elert F. Bode: Berechnung der Umlaufbahn des Uranus

Zweck der Gesellschaft – Förderung des Studiums der Natur

– gemeinsame Nutzung von Sammlungen und Bibliotheken der Mitglieder

 

SATZUNG.“ Das Studium der Naturgeschichte zu fördern und deren Kenntnis zu verbreiten“

Voraussetzung für eine Mitgliedschaft – wissenschaftliche Bedeutung,

– Besitz einer naturwissenschaftlichen Sammlung (+ Privatbibliothek)

– angenehmer Charakter und Hilfsbereitschaft

Struktur – anfangs nur 12 Ordentliche Mitglieder

   sowie Außerordentliche Mitglieder und Ehrenmitglieder

 

Aktivitäten – wöchentliche, später monatliche Sitzungen (am 3. Dienstag im Monat) in

     Privatwohnungen (Sammlung !), von 1778-1906 im eigenen Haus der GNF

     (Nachsitzungen im benachbarten „Löwenbräu“ am Gendarmenmarkt).

– Exkursionen z.B. ins Braunkohlengebiet des Geiseltales;

– Stiftungsfeste am 9. Juli, oft in Gartenlokalen mit Familienangehörigen

– Publikationen einer eigener Zeitschrift

– finanzielle Unterstützung von wissenschaftlichen Projekten

– Ausschreibung von wissenschaftlichen Preisfragen

• *Foli 3 –  GNF: Gründungsgeschichte2

Wahl neuer Mitglieder – Früher durch Ballotieren nach Befürwortung der Kandidatur durch

     mindestens drei Mitglieder („Bürgen“)

– Neumitglieder mussten „Grundverfassung von 1789“ durch Unterschrift anerkennen

Anzahl Mitglieder – Seit 1973 ca. 1850; gegenwärtig ca. 140

Fachrichtung der Mitglieder ursprünglich überwiegend Mediziner, dann vermehrt

Naturwissenschaftler, heute überwiegend  Biologen

            und biologisch Interessierte „Laien“

Frauen als Mitglieder Bereits 1822 gehörten 2 Frauen der Gesellschaft als Mitglieder an

bis 1972 waren 72 Damen und 1754 Herren Mitglieder der GNF

Damen von Rang mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen:

– 1776 Demoiselle Katharina Helena Doerrien = Gelehrte Kräuterkennerin, Mitglied der Botanischen Gesellschaft Florenz

– 1777: Christine Louise Gräfin zu Sohns-Laubach, spätere Fürstin von Hohenlohe-Kirchberg (1754-1816)

(Gräfin Sapieha von Podewils ?, Gräfin Jablonowska ?)

——————————————————————————————–

 

Aktivitäten heute – monatliche öffentliche wissenschaftliche Sitzungen

– öffentliche Exkursionen zu naturwissenschaftlichen Themen

– jährliche Verleihung des „Katharina-Heinroth-Preises für hervorragende  Abschlußarbeiten auf biologischem Gebiet (seit 1985)

– Jährlich ein Band der „Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin“

 

Dokumente – „Tagebücher“ (lückenlos von 1773 – 1945)

– Zeitschrift („Sber. Naturf. Ges. Berlin“ (N.F.) seit 1773

– „Archiv“ im Museum für Naturkunde, Historische Arbeitsstelle. [Korrespondenzen seit 1773, Dokumente, Manuskripte, Gutachten, Autographen; Teile der wiss. Sammlungen und der Bibliothek; (Bibliophile Kostbarkeiten;  z.B. Sybille von Merian, Rösel von Rosenhof)]

– Teile der wissenschaftlichen Sammlungen der GNF in den Beständen des Museums für Naturkunde Berlin

Erschließung des Archivs durch ein Stipendium der Volkswagenstiftung für Frau Katharine Boehme(-Kaßler) im Rahmen ihrer Diplomarbeit, unter der Leitung von Frau Hannelore Landsberg) 1998-2000; anschließend Promotion mit dem Thema:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

• *Folie 4 GNF: Gründungsgeschichte 2

Vorbild für die Gründung:

– die 1743 in Danzig gegründete „Naturforschende Gesellschaft“ sowie ähnliche Gesellschaften

        im Piemont und in Norwegen.

– dagegen waren die „Leopoldina“ in Halle (1652) und die „Académie des Sciences“ in Paris (1666)

       staatliche Gründungen

– Die Gründung fällt in die Zeit der Aufklärung und der zunehmenden Selbständigkeit des Bürgertums: Befreiung von staatlicher und kirchlicher Bevormundung

– Gesellschaftliches Leben gibt es nun auch in bürgerlichen Kreisen:

-„Salons“ z.B. von Rahel Levi, Henriette Herz,

Rahel Levin (Varnhagen): Schleimacher 1798: „wer auf eine recht ungenierte Art gute Gesellschaft sehen will, lässt sich in solchen Häusern einführen“

-jede Woche treffen sie sich in ihrer Wohnung: Wilhelm und Caroline von Humboldt, Friedrich Schleiermacher, Friedrich Schlegel, Jean Paul, Moses Mendelsohn, Clemens Brentano,

-man spricht über Literatur, Kunst, Philosophie, das Leben, über neue Bücher, Theateraufführungen, Universitätsvorlesungen, hört Autorinnen und Autoren.

– auf Witz und Verstand kommt es an

– Rahel Varnhagen durfte nicht studieren, der Salon ist ihre Bildungsstätte, ihre Intelligenz, schnelle Auffassungsgabe und ihre Menschenkenntnis helfen ihr.

– W. v. Humboldt: „man suchte sie gerne auf, um nie von ihr zu gehen, ohne etwas von ihr gehört zu haben, das Stoff zu weiterem, oft tiefen Nachdenken gab, oder das Gefühl lebendig anregte“

– weil sie wirklich von sehr liebenswürdigem Charakter war.

– Montagsclub des Buchhändlers Nicolai,

– Freitagsgesellschaft (Goethe, Hufeland):

 

– von Goethe am 9.9.1791 eröffnet, sein Leibarzt, Hufeland, übertrug diese Idee auf die 1810 gegründete GNH. Sie besteht bis Winter 1796/97 im Haus der Herzoginmutter Amalia. Vortrag Goethe über das Farbenprisma, Vortrag Hufeland: Herzog Karl-August ernennt Hufeland aufgrund seines Vortrags zum Professor an der Universität Jena

 

– Solche Vereinigungen auch für Frauen offen; befassen sich vor allem mit Kunst, Musik, Literatur

 

– Parallelen zu Ideen und Struktur der Freimaurer (Bloch und z.B.  auch Friedrich der Große waren Mitglieder in der „Loge zu den 3 Weltkugeln“

 

„Innerer Kreis“: 12 Ordentliche Mitglieder; nur sie dürfen an den Sitzungen teilnehmen, die AO Mitglieder nur an den Vortragsveranstaltungen; Anerkennung der Regeln („Grundverfassung“) durch Unterschrift; Gleichheit untereinander: Versammlungsort und Vorsitz jeweils durch Los bestimmt.

– „Konspirativer“ Charakter der Sitzungen: nur die 12 Ordentlichen Mitglieder

 

– Siegel der GNF: zeigt auf einem Altar das aufgeschlagene Buch der Natur, von oben beleuchtet vom Licht der Erkenntnis (Dreieck als Zeichen der Weltharmonie + Strahlenkranz = „Licht der

       Erkenntnis“)

 

 

• *Folie 5 – Siegel der Gesellschaft Naturforschender Freunde

• *Folie 6 –  GNF – Herausragende Persönlichkeiten –

Herausragende Persönlichkeiten unter den früheren Mitgliedern – Friedrich Heinrich Wilhelm Martini:   Arzt, Malakologe

– Martin Elisar Bloch:            Arzt, Ichthyologe

– Johann Gottlieb Gleditsch (1773,4): Arzt, Direktor des Botanischen Gartens B.

– Alexander von Humboldt             Forschungsreisender, Universalgenie

– Adalbert von Chamisso (1781-1838):   Kustos am Botanischen Garten Berlin

– Theodor Schwann:             Prof. für Anatomie, Berlin

– Matthias Jacob Schleiden:             Prof. für Botanik, Berlin

– Johann Albrecht Euler:                         Physiker und Astronom

– Adolf Engler:             Direktor des Botanischen Gartens Berlin

– Robert Bunsen:                         Prof. für Chemie, Heidelberg

– Justus von Liebig:             Prof. für Chemie

– Karl Wilhelm Scheele:             Chemiker (Entdecker des Sauerstoffs)

– Louis Joseph Gay-Lussac:             Prof. für Chemie, Paris

– Jean Baptiste de Lamarck:             Prof. für Botanik, Paris

– Ernst Haeckel:                         Prof. für Zoologie, Jena

– Rudolph Virchow:             Prof. für Anatomie, Pathologie,

                                                                     und Anthropologie

– Werner Janensch:                        Geologe, Leiter der Tendaguru-

                                                                     Expedition

———————————————————————————————

– Katharina Heinroth: Zoo-Direktorin 1945-1956, Zoo-Wiederaufbau

– Konrad Lorenz: Verhaltensforscher, Nobelpreis für Medizin

Schleiden & Schwann:   = zellulärer Aufbau der Organismen

Albrecht Thaer:               = Arzt, Begründer der wissenschaftlichen

                                            Landwirtschaft

Alfred Brehm:                 = Gründer des Berliner Aquariums

• *Folie 7 – GNF: Gemeinsame Mitgliedschaft GNF/GNH

Prominente Mitglieder

beider Gesellschaften:

GNF und GNH

– Martin Heinrich Klaproth (GNH Nr.1): – Prof. für Chemie, Berlin (1791,5)

– Carl Ludwig Willdenow (GNH Nr. 6):   – Prof. für Botanik, Berlin (1795,8)

– Sigismund Hermbstaedt (GNH Nr. 11): – Hofapotheker, Berlin (1799,6)

– Karl Asmund Rudolphi (GNH Nr. 21):  – Prof. für Anatomie, Berlin (1802,10)

– Martin Heinrich Lichtenstein (Nr. 25):   – Direktor des Zoologischen(1810,11)

                                                 Gartens und Zoologischen Museums, Berlin

– Christian Gottfried  Ehrenberg (Nr. 58): – Prof. für Medizin, Berlin (1820,3)

– Johannes Müller (GNH Nr. 85): – Prof. für Physiologie Berlin(1843,4)

Gemeinsame Mitgliedschaften in jüngster Zeit

Fortak, Frädrich, Gewalt, Götz, Henneberg, Klös, Lange, Werner

 

• *Folie 8 – GNF: Foto (Haus der Gesellschaft in der Französischen Straße)

• Folie 9 –  GNF:  Haus der Gesellschaft in der Französischen Straße

 

• 1788 für 10.000 Taler aus dem Bauetat des Königs Friedrich Wilhelm

                aufgrund Bittbrief der  GNF

• Lage in der Französischen Straße am Gendarmenmarkt

• Zur Aufnahme von Sammlungen und Bibliothek + Wohnung für ein Ordentliches Mitglied,

     das die Aufsicht über Sammlungen, Bibliothek und Archiv zu übernehmen hat

• Wunsch nach einem Garten für Sämereien und kleinere Experiment wurde nicht erfüllt

 

– Das Haus symbolisierte Reichtum und Bedeutung der Gesellschaft

– Bedeutete einen festen Platz in der Berliner Wissenschaftslandschaft

– 1809 Umbau nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel

———————————————-Folie ein 2. Mal zeigen——————————-

– später steigende Belastung durch Unterhalt und Reparaturen

– Geldeinnahme durch Vermietung des Sitzungsraumes u.a. für medizinische Prüfungen

         sowie an die Physikalische Gesellschaft

– 1906 Verkauf für 500 000 Mark an den Maklerverein; Umstrukturierung der GNF

– Abgabe der Sammlungen und des Buchbestandes an verschiedenen wiss. Einrichtungen

– Freiwerdende Mittel zur Unterstützung der Tendaguru-Expedition (Dinosaurier im MfN) und weiterer natirwissenschaftlicher Projekte

 

Verwendung der Mittel aus dem Verkauf des Hauses:

o Jährlich 5000,- für zool., bot., und paläontologische Untersuchungen. Über die Ergebnisse ist auf den Sitzungen zu berichten und in den Sitzungsberichten zu publizieren

o 1911: 1500 Mark für zoologische Forschung auf Island

o 1909-1911: 23.000 Mark für die Tendaguru Expedition; Ausgrabung der Dinosaurier-Skelette in Tansania unter der Leitung von Dr. Werner Janensch (Gesamtkosten 230.000 Mark

o 1912 Grabungen in der Oldoway-Schlucht

o 1934 Zuschuss für die Beringung von Fledermäusen

Sitzungen nunmehr in einer Weinstube,

dann im Museum für Naturkunde bzw. dem Zoologischen Institut

———————————-

1907: Auflösung der Bibliothek: 1825 Bände an das Zoologische Museum, zahlreiche naturwissenschaftliche Schriften aus dem 17. -19. Jahrhundert, geschlossene Periodica, und wiss. Zeitschriften aus Zeitschriftentausch

– 1907 Zeitschriftentausch mit 151 Gesellschaften

– 1934 mit 240 Vereinen und Gesellschaften

Kostbarkeiten: Maria Sybille Merian: „Metamorphose der Insekten Surinams“ (1683)

 zuvor (1679): „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“

 

• *Folie 10 – GNF:Foto – Arbeitszimmer von Ehrenberg – im Haus der GNF?

• *Folie 11 –GNF: Die wissenschaftlichen Zeitschriften der GNF –

– Neubeschreibungen:    – von Tieren, Pflanzen, Mineralien, Gesteinen

– Revisionen:                   – von bereits beschriebenen Arten im Sinn einer wissenschaftlichen Systematik

– Bestandsaufnahme:     – der biologischen Diversität

 

Die Zeitschrift der Gesellschaft erscheint anfangs unter wechselnden Namen (Sber: Bd.13, Heft 2, S.1)

     –     „Beschäftigungen der Berlinischen Gesellschaft naturforschender Freunde“ 1775-79

– „Schriften der Berlinischen Gesellschaft naturforschender Freunde“ 1780-94

– „Der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin neue Schriften“ 1795-1803

– „Der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin Magazin für die neuesten Entdeckungen in der gesamten Naturkunde“ 1807-1818

– „Zeitschrift für Bionik“ 1906-1916

– ++ Archiv für Biontologie 1906-1920 (4 Bände, 12 Hefte)

– „Sitzungsberichte der Gesellschaft Natur-forschender Freunde zu Berlin“, 1860-1942,

ab 1961: (N.F.), Band 1-47 (= 2010)

———————————————-

+- Titelblatt Sitzungsberichte N.F. Band 46 Hrsg. Walter Sudhaus

 

*Folie 12 –  GNF: Ausgewählte Beiträge aus den Sitzungsberichten der GNF

 

1839     Müller, Johannes:        – Beobachtungen über die Lymphherzen des Krokodils

 1840     Ehrenberg, Ch. G.:      – Die Kalkthierchen der Schreibkreide

                                             – Mikroskopische Tiere aus trockener Erde

1851    Braun, A.:                      – Die Stellung der Koniferen im Pflanzenreich

1859    Virchow, R.:                  – Über die Entwicklung von Trichinella spiralis

1860    Siemens, W. von:          – Elektrische Erscheinungen auf der Cheopspyramide

1861    Haeckel, E.:                   – Zeichnungen von Radiolarien aus Messina

1863    Schweinfurth, :              – Beurmanns Pflanzenproben aus der Sahara

1968    Thaer, A.                   – Über Verheerungen an Gerstensaat durch Larven von Elater segetis

1909    Janensch & Hennig:       – Erster Bericht über die Tendaguru Expedition

1973    Herter, K. und K. Becker:  – Straßen und Plätze in Berlin benannt nach Mitgliedern der GNF

• Folie 13 – GNF: von 1770 – 1810  ausgelobte wissenschaftliche Preisfragen –

– Das Preisgeld musste vom Anreger der Preisfrage gestiftet werden.

– Publikation erfolgte in gesellschaftseigener Zeitschrift und in Zeitungen.

            –  Preisfragen wurden damals auch von der Leopoldina und der Berliner Akademie ausgeschrieben

1777 – Welcher Art ist der Stoff, der Epidemien verursacht?

  Ergebnis: Seuchen unter den Haustieren entstehen durch Ansteckung

1778 – Ansteckung bei Tierseuchen und deren Vermeidung

1782 – Pflanzen als Anzeiger der Bodenbeschaffenheit

1798: – Ist Hagelbekämpfung durch „Hagelableiter“ (ähnlich Blitzableiter)

     möglich?

1804: – Welches ist die Natur des Basalt?

1810: – Wie lassen sich die Pflanzengattungen unterscheiden?

??? – Spuk in Tegel (Goethe: Faust, Teil 2, Walpurgisnacht)

„Das Teufelspack, das fragt nach keiner Regel,

wir sind so klug, und dennoch spukt´s in Tegel“

• *Folie 14-  GNF: Wandel im 19. Jahrhundert –

1810       – Gründung der Berliner Universität; Mitglieder z.T. Professoren (zusätzliche Belastungen !)

               – Folge: Aufbau von wissenschaftlichen Sammlungen und Bibliotheken an der Universität –

1828:     – Beschluss, auf die eigenen Sammlungen zu verzichten. – Teile der Sammlungen und das

               „Archiv“ an das Museum für Naturkunde. Aufteilung der Bibliothek an verschiedene Institute

1858       – werden ca. 800 Sammlungsobjekte an das Graue Kloster abgegeben

                – Nachlassendes Interesse an den Sitzungen („Schläfrigkeit, Plauderei und Zeitungslesen“,

                   Gronau 1812)     

1828       – Gottfried Christian Reich: „auffallende Lauigkeit in den Versammlungen

                 der Ordentlichen Mitglieder“ (KBK S.110)

              – Klage: unzureichende Führung der Protokolle und Tagebücher

               – Vorschläge Ehrenberg: Neustrukturierung der Sitzungen:

               – Schwerpunkt jetzt die Öffentlichen Sitzungen (3. Dienstag im Monat), an denen auch

               außerordentliche Mitglieder und Gäste teilnehmen    

                – Vorlesung von Abhandlungen über aktuelle naturwissenschaftliche Probleme            

1906:       – nach langer Diskussion Verkauf des Hauses (, königliche Genehmigung eingeholt)

                – „drohende Heimatlosigkeit“

              – drohende Fusion mit anderen Gesellschaften: Beschluss, niemals mit anderen Gesellschaften zu

               verschmelzen, auch Herausgabe einer gemeinsamen Zeitschrift abgelehnt (Anträge durch

                Leopoldina und Berliner Akademie der Wissenschaften)

 

Daten zur Geschichte der GNH:

 

Die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hat im Laufe ihrer 200jährigen Existenz große gesellschaftliche Veränderungen, tiefgreifende weltanschauliche Wandlungen, Revolutionen, Kriege und Wirtschaftskrisen überstanden. Zu ihren Mitgliedern zählten zahlreiche bedeutende Ärzte und Naturwissenschaftler, welche die Entdeckungen und Fortschritte in ihren Fachgebieten entscheidend mitgestaltet haben. Geprägt von den richtungsgebenden Worten Rudolphis aus dem Jahre 1911, der sie zum Geist der Freundschaft und Toleranz verpflichtete, und gegen vorschnelle Anpassungen durch ein starkes Traditionsbewußtsein geschützt, konnte diese Gesellschaft über 2 Jahrhunderte bestehen und wird, so hoffen wir, auch in der Zukunft weiterhin Bestand haben.

 

• * Folie 15 – GNH: Gründung 1 –

Gründungsdatum 6. Februar 1810 in Berlin

Initiator: Martin Heinrich Klaproth (Arzt und Chemiker)

15 Gründungs-

     Mitglieder 13 Ärzte, 2 Apotheker

(Klaproth, Hecker, Heim, Meyer, Horn, Willdenow, von Wiebel, Voeltze, Voelker, Grapengießer, Hermbstaedt, Goercke, Mertzdorf, Mursinna, Bremer)

Zweck der Gesellschaft – wechselseitige Belehrung,

– Pflege der Kollegialität ++und Pflege der Menschlichkeit

Verbindung zur Universität 1810:   9 von 22 Mitglieder sind Professoren der neugegründeten Berliner Universität

Voraussetzung

für eine Mitgliedschaft – Wissenschaftliche Bedeutung

– menschliche Qualitäten

Herausragende Persönlichkeiten unter den früheren Mitgliedern Martin Heinrich Klaproth (1)             – Apotheker und Chemiker

Ernst Ludwig Heim (3)                       – Leibarzt der Königin Luise

Carl Ludwig Willdenow (6)                – Apotheker, Direktor des Bot. Gartens

Sigismund Hermbstaedt (11)              – Apotheker und Arzt

Christoph Wilhelm Hufeland (18)       – Arzt, Begründer der Makrobiotik

Karl Asmund Rudolphi (21)                – Arzt, Helminthologe

Albrecht Thaer (22)                              – Arzt, Begründer des wiss. Landbaus                                                        

Hinrich Lichtenstein (25)                      – Direktor des Zool. Gartens und Museums

Christian Gottfried Ehrenberg (58)      – Arzt, Begründer der wiss. Mikroskopie

Emile du Bois-Reymond (117)             – Prof. für Physiologie

Gustav Nachtigal (154)                          – Arzt, Afrikaforscher

Ernst von Bergmann (178)                     – Chirurg, insbesondere Hirnchirurgie,

August Bier (285)                                – Arzt, Begründer der wiss. Forstwissenschaft

Struktur Privatgesellschaft: 1 Präsident, 1 Schriftführer (Secretarius)

                               1 Schatzmeister (Rendant)

 

• * Folie 16 – GNH:  Gründung 2 –

Aktivitäten – monatliche nichtöffentliche Sitzungen

– feierliche jährliche Stiftungsfeste mit besonderen Gästen

– seit 1974 jährliche Exkursion („Besondere Veranstaltung mit Damen“)

Traditionen – Einladung per Bote (bis 1923), Sitzungen am 1. Dienstag im Monat

– Wahl der Neumitglieder durch Ballotieren (weiße bzw. schwarze Kugeln)

– Feierliche Stiftungsfeste (mit Baumkuchenrede)

Rolle in der Öffentlichkeit – „stets in stiller, vornehmer Zurückgezogenheit“

– Politische Enthaltsamkeit (Antrag Heim 1810)

 

Anzahl

Mitglieder 1810 – 2010:      insgesamt 653 Mitglieder

Aktuell:             127 Mitglieder (111 Berliner, 16 auswärtige Mitglieder)

Fachrichtung

der heutigen Mitglieder xxx Mediziner, xx Tiermediziner, xx Pharmazeuten, Chemiker, Physiker; Biologen, Meteorologen, Geographen

 

Frauen in der Gesellschaft bisher keine Frauen als Mitglieder der Gesellschaft

bis 1960 war den Ehefrauen nur alle 25 Jahre (!) die Teilnahme am Stiftungsfest gestattet; danach alle 5 Jahre,

– Seit 1977 (W. Scheffler) jährlich eine „Besondere Veranstaltung mit Damen „

–  seit 2009 jährliche Teilnahme der Ehefrauen am Stiftungsfest möglich

Dokumentation – regelmäßige Aufzeichnungen; seit 1974 monatliche Rundschreiben mit Bericht

         über die Sitzung und Autoreferat zum Vortrag)

– Festschriften („Chronik“): enthält Lebensdaten von allen 653 Mitgliedern

         und von 617 Mitgliedern eine Abbildung

Henneberg: „Die Chronik ist das Fundament unserer Gesellschaft“

Besondere Dokumente*: – Verzeichnis der Titel aller Vorträge von 1884 bis heute

– „Archiv“-schränke im Untergeschoß des Kaiserin-Friedrich-Hauses

Homepage www.gnh-berlin.de

 

 

• Folie 17 – GNH: Ärzte werden zu Naturforschern –

Im 19. JH. Kämpfen Naturphilosophie (vor allem Schelling), Vitalismus (Hufeland u.a.) und

         verschiedenartige Behandlungsmethoden (z.B. Magnetheilkuren nach Mesmer) um Geltung

Medizin jener Zeit : in der Praxis bereits erfolgreich; aber vielfach noch wissenschaftsfremde Ideen statt realem Wissen von den Krankheiten und deren Behandlung

– Wilhelm von Humboldt (1767-1835): „Geisteswissenschaft ist die eigentliche Wissenschaft“

– Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854): „Nur das Denken führt zu einer Erklärung der

         Naturvorgänge und die Erfahrung ist belanglos“.

– Immanuel Kant (1724-1804): Chemie ist keine Wissenschaft

– Mitglied Nr. 79, Friedrich Wilhelm Breyer (1787-1851): „Der Bart [vermittelt] eine magnetische

         Wechselwirkung mit den unwägbaren lebendigen Kräften des Alls, die durch das Abschneiden

         der Barthaare als Leiter höchst nachteilig gestört werde“

– Harnstoffsynthese von Friedrich Wöhler (1828) bringt den Vitalismus ins Wanken

– Mitglied Nr. 85 Johannes Peter Müller (1801-1858): Beginn einer systematischen natur-

         wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der Medizin

– Johannes Lukas Schönlein (1793-1864): Kontrolle der Medizinischen Diagnostik

         durch anatomisch-pathologische Sektionen

– Rudolf Virchow (1821-1902): Medizin ist Naturwissenschaft vom Menschen. Umfangreiche

         pathologische Sammlung; Begründer einer naturwissenschaftlich fundierte Krankheitslehre

x Im 19. Jh. erlangt die Berliner Medizin Weltruhm. Daran waren maßgeblich Mitglieder der GNH beteiligt. Besondere Bedeutung hatte die Chirurgie mit Friedrich Diefenbach und Bernhard von Langenbeck

 

• Folie 18 – GNH:Bedenkliches und Bemerkenswertes aus der Chronik

(xx)1934 in der Chronik verzeichnet

Finanzielle Nöte (während der Weltwirtschaftskrise): 1923: die Saalmiete sollte 1000,- Mark

kosten, die Versammlung fand in der Privatwohnung des Sekretärs statt“

 

Politische Haltungen:

– „1915 konnten wir die Siege unserer tapferen Heere feiern“ (Chronik S.15)

– „1917 grüßten wir die Helden unserer Unterseeboote“ (Chronik S.15)

– „1919 verzichteten wir unter der Schmach des Versailler Vertrags auf eine Feier“

          (Chronik S.15)

– 1933: „Die nationale Revolution vom Jahre 1933 hat in vielen Deutschen neue Hoffnungen

           erweckt“ (Chronik S.17)

– 3.10.1939 fand die erste Sitzung nach Ausbruch des polnischen Krieges statt.

  (Chronik S.16): 

– „in der Beurteilung des nationalsozialistischen Regimes waren wohl alle Meinungen

vertreten“ (Chronik S.***: Pflichterfüllung jedes einzelnen, Volk als große Gemeinschaft, Einheit des Vaterlandes, soziale Hilfe nicht als Almosen, Erziehung der Jugend zu Reinheit und Ehrfurcht, Schutz der Religion)

 

Auswirkungen des 2. Weltkrieges:

–  nur 14 Sitzungen während des Krieges

– ab 1946: unregelmäßige Zusammenkünfte trotz langer Fußmärsche

– 19.7.1949: 1. Nachkriegssitzung mit 17 Mitgliedern; Neubeginn der GNH

           mit insgesamt 22 – Mitgliedern (Chronik S.17)

– 1992: das 182. Stiftungsfest erstmals wieder mit Kollegen aus dem Ostteil der Stadt (Chronik S.20)

 

• Folie 20 –  GNH  zu Dresden (gegründet 1818)

Gründung – 19.09.1818 in Dresden von namhaften Ärzten

– existiert bis 1937 (1939); ab 1896 ausschließlich Mediziner als Mitglieder

Zweck der Gesellschaft – „Verein zu wechselseitigen Mittheilungen und gemeinschaftlichen Arbeiten im

        Fache der Natur- und Heilkunde“

        [enge Verbindung zu Collegium medico-chirurgicum Dresden (gegr. 1748)]

Eigene

Zeitschrift – 1820-1828: „Zeitschrift für Natur- und Heilkunde“ (verschiedene Titel bis 1934)

          Herausgeber: Professoren der Königlichen Chirurgisch-Medizinischen

          Akademie in Dresden

Mitglieder – „Ärzte, – naturwissenschaftliche Amateure aus der höheren Beamtenschaft und

– Vertreter des Hohen Adels“ – eine Verbindung wissenschaftlich Interessierter

Besondere Mitglieder Carl Gustav Carus (1789-1869): kümmert sich bevorzugt um die Schwangeren und

   Neugeborenen aus den ärmsten Volksschichten, sowie um die Medizin-Ausbildung

Aktivitäten Versammlungen alle 2 Monate, Wissenschaftliche Vorträge von Mitgliedern

Ab 1832 Beschluss: öffentliche Sitzungen durchzuführen, „um einen regen Sinn für die Naturwissenschaften zu verbreiten“

Besonderheit Heftige Auseinandersetzungen: gegen die „romantische Schule“ (Carus u.a.), gegen einseitig humanistische Bildung, für Medizinalreform, für Abschaffung der Autoritätshörigkeit. Schonungslose Kritik:

• Folie 21 – Wissenschaftliche Gesellschaften in Berlin im 19. und 20. Jh. –

 

1700): „Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften“

              – Gründer: G.W. Leibniz am 11.7.1700

              – Siegel: Adler auf dem Flug zu seinem Sternbild = Streben nach wissenschaftlicher

                Erkenntnis. Sigellum: „Societatis Scientiarum Brandenburgicae“

              – Heute: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

 

(1822): Gesellschaft Naturforscher und Ärzte“

               1822 von Lorenz Oken in Jena gegründet

              

(1828): „Gesellschaft für Erdkunde“

             – Gründer:              Carl Ritter, Alexander von Humboldt und weitere Naturwissenschaftler

             – Ziel:                         Unterstützung der geowissenschaftlichen Forschung

  – Vorsitzende u.a.: Gustav Nachtigal, Heinrich Barth, Gerhard Rohlfs

  – Eigenes Haus: Alexander-von-Humboldt-Haus in Berlin-Steglitz, bedeutende Bibliothek

        – Eigene Zeitschrift:  „Die Erde“

        – Anzahl Mitglieder heute:

              – Aktivitäten: Förderung von Forschungsreisen, Öffentliche Vorträge („Freitagsvorträge“),

                      Exkursionen, Tagungen

              – Verleihung von Medaillen (z.B. Ferdinand von Richthofen-Medaille

 

 

(1832):   „Collegialer Verein von praktischen Ärzten Berlins von 1832“

 

(1845): „Physikalische Gesellschaft zu Berlin“(gegr. 1845)

               – Vorgänger: 1843 Physikalisches Kolloquium im Magnus-Haus

               – Aktivitäten: Max-von-Laue-Kolloquium

               – Vergabe von Preisen an hervorragende Wissenschaftler

               – Seit 1999 Berliner Schülerpreis an Schüler der 12. Klasse. – 2009: über 4000 Mitglieder

 

(1848):   Deutsche Geologische Gesellschaft

               – Gründer: Alexander von Humboldt, Leopold Buch u.a.

               – Fachverband, heute 3000 Mitglieder

               – heute Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften

 

(1859): „Botanischer Verein von Berlin und Brandenburg“ (gegr. 1859)

                – Zweck der Gesellschaft: Erforschung der Pflanzenwelt von Berlin und Brandenburg

                – Zeitschrift: „Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg“

 

 

(1867): „Deutsche Chemische Gesellschaft zu Berlin“

               – Gründung auf Initiative von Wilhelm von Hoffmann.

               – Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft; Denkmünzen, Chemiker Hilfskasse

 

 

 

Beim Vergleich der beiden ältesten privat gegründeten wissenschaftlichen Gesellschaften stellen wir fest: in beiden Gesellschaften waren  bedeutende Mediziner und Naturwissenschaftler vom späten 18. bis ins 21. Jahrhundert ihre Mitglieder. Im Gegensatz zur GNH hat die GN

F aber von Anfang an eine andere Orientierung gehabt, da der Besitz einer wissenschaftlichen Sammlung oder Bibliothek ein entscheidendes Kriterium für eine Mitgliedschaft war. Daraus ergaben sich beinahe zwangsläufig fdolgende entscheidende Unterschiede:

 

1. Sammler von wissenschaftlichen Objekten streben nach Erweiterung und Vervollständigung des Bestandes. Dies erfordert die Öffnung nach außen führte zu zahlreichen nationalen und internationalen Kontakten zu anderen wissenschaftlichen Sammlern in der ganzen Welt.

Zum Aufbau einer gemeinsamen wissenschaftlichen Sammlung entstand der Wunsch nach einem eigenen Haus zu deren Unterbringung und der Zwang, die wachsenden Bestände zu verwalten (u.a. zu katalogisieren).   Ein wesentliches Merkmal war die gewissenhafte Buchführung, nicht nur über die Eingänge in den Bestand der Sammlungen und der Bibliothek, sondern darüber hinaus auch über alle Aktivitäten der Gesellschaft  sowie ihrer Mitglieder.

 

2. Um die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsarbeiten der Mitglieder zu verbreiten und zugleich der Förderung der Naturkunde und der Aufklärung der Mitmenschen zu dienen, war die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift nötig, in welcher Originalbeiträge der Mitglieder veröffentlicht werden konnten.

.

Diese 3 Charakteristika (Sammlungen, Haus, eigene Zeitschrift) der Gesellschaft Naturforschender Freunde kanalisierte deren Entwicklung in eine bestimmte, für sie typische Richtung und bestimmte ihr eigenes Gepräge.

Der frühe Zeitpunkt der Gründung, die noch bestimmt war vom Geist der Aufklärung und beeinflusst von Ideen des Freimaurertums schlug sich naturgemäß auch in der Satzung nieder, die anfangs fast den Charakter eines Geheimbundes hatte: Die Mitglieder mussten bis 1923 (?) bei ihrer Aufnahme in die Gesellschaft durch ihre persönliche Unterschrift die Gesetze der Gesellschaft als bindend anerkennen.

 

Gemeinsamkeiten: Für beide Gesellschaften existiert heute noch ein chronologisches Verzeichnis aller Mitglieder der Gesellschaft seit ihrer Gründung.

Ferner: – Bedeutung von Traditionen und Ritualen

– beide Gesellschaften interdisziplinär (fachübergreifend)

– hohe Bedeutung der menschlichen Qualitäten

– beide das Ziel der wechselseitigen Belehrung in freundschaftlicher Verbundenheit

 

GNF: darüber hinaus besitzt die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin die Protokolle zu allen Sitzungen der Gesellschaft (in Form der sog. „Tagebücher„) und es sind die Titel der Aufsätze in den Zeitschriften der Gesellschaft seit 1839 erhalten. Diese Dokumente, sowie die im Archiv erhaltene Korrespondenz und Teile der Sammlungen stellen einen bedeutenden wissenschaftsgeschichtlichen Fundus dar, was die Volkswagenstiftung bewogen hat, ein Projekt zu finanzieren, das der Erfassung und bibliographischen Sicherung dieser wertvollen Bestände ermöglichte. Diese Arbeiten wurden im Rahmen einer Magister- und anschließenden Promotionsarbeit von Frau Dr. Kathrin Böhme-Kaßler in Zusammenarbeit mit der historischen Arbeitsstelle des Museums für Naturkunde Berlin 1998- 2000 in hervorragender Weise geleistet. 

 

 

• Folie 19

 

Veröffentlichung der Ergebnisse Eigenes Haus Weltweite Korrespondenz

Sammlungen

Geschenke, Stiftungen Laufende Inventarisierung Auswärtige Mitgliedschaften

Funktion von wissenschaftlichen Vereinigungen (Gesellschaften)

 

a) Fachverband:

 

– Verbreitung von Ideen, Anschauungen

– Plattform zur Durchsetzung von Interessen (a)

– Beeinflussung von politischen Entscheidungen  (Stellungnahme, Memorandum)

– Förderung der Forschung, evtl. finanzielle Unterstützung von Projekten

– Kennenlernen des Nachwuchses, „Stellenmarkt“

 

b) wissenschaftsorientierte Gesellschaft

 

– Wissenschaftlicher Austausch

– Kontakt mit Gleichgesinnten

– Vorstellung und Diskussion von Ergebnissen

– Förderung der Forschung

 

Gründe für Mitgliedschaften:

 

Bedeutung eines Menschen nach der Anzahl von Mitgliedschaften in wichtigen Gesellschaften

 

Gefahren für die Existenz von Gesellschaften:

 

– Veränderungen der Wissenschaftslandschaft

– Veränderungen im sozialen Umfeld, Wandel des Wertesystems

– Überlastung durch neue Aufgaben

 

Faktoren, die zum Überleben beitragen

 

– Traditionen und Rituale

– Geschichtsbewußtsein

– Schriftliche Aufzeichnungen, Archiv

– Verantwortungsgefühl  für ein Vermächtnis

– Emotionale Erinnerungen (Mitglied Waldeyer (Chronik S. 15): „Der Verkehr in dieser Gesellschaft

                                                                bildet eine der angenehmsten Erinnerungen meines Lebens“

 

 

Mögliche zukünftige Aktivitäten

 

– Aufbereiten des Archivs

– Verleihung eines Preises an junge Wissenschaftler

– Gastvorträge

– Steigerung der gemeinsamen Aktivitäten (Exkursionen, Sommerfest, Interessengruppen)

– Satzungsänderung  bezüglich Mitgliedschaften

 

Zu recherchieren:

 

– Archiv der GNH

– GNF in der Naturhistorischen Forschungsstelle

– Haus für Erdkunde

– Deutsche Chemische Gesellschaft

– Berliner Wissenschaftliche Gesellschaft

– Dienstagsclub des Buchhändlers Nicolai

 

Demonstration:

 

1. Tisch GNF: Schild, Vergrößerungen Siegel, Bild, Band Sitzungsberichte, Bücher KBK

2. Tisch GNH: Bild Rudolphi, Buch Mitgliedschaften, Exemplare Chronik

 

PP: – Ansicht/Raster

– Drucken/Notizenzeichen/Vorschau

– Bildschirmpräsentation/benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation/Animation/Eingang/Erscheinen/ nach Vorherigem beginnen/Verzögerung/Langsam/3 sec

– Umrahmungslinien/ LinienArt oder Füllfarbe: Menuleiste unten

– Ansicht: Vorschaufenster  –   Neue Folie: Aufgabenbereich

 

Literatur:

 

Becker, K. (1973): Abriß einer Geschichte der Gesellschaft Naturforschender freunde zu Berlin. Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 13: 1-58

Bickerich, K. und E. Schumacher: Bibliographie der Schriften der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin von 1839-1942. Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 4-132

Böhme, Katrin: Die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin und ihr „Archiv“.

In: Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 39 (2000), 153-157

Böhme, Katrin: Die Botanik im Spiegel der GNH zu Berlin1851-1878. Diplomarbeit 1997

Böhme-Kaßler, Kathrin (2005): Gemeinschaftsunternehmen Naturforschung. – Modifikation und Tradition in der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin 1773-1906.Franz Steiner Verlag Stuttgart 2005

Correns, Carl Erich, Rückblick auf Botanik. In: Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 1924 (1926) 1-9, hier S.9

Exner, S. (1999): Bibliographie der Schriften der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin von 1961-1998. Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 37: 99-132, 1999

Götz, P. (1988): 215 Jahre Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. – Ihre Geschichte und ihre heutige Aufgabe. Sber. Ges. Naturf, Freunde Berlin (N.F.) 28, 163-168, 1988

Harndt, Ewald: Das Wirken der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde im 19. Jahrhundert. Festschrift der GNH zur Feier ihres 190. Geburtstages, Chronik Seite B4 – B17, 2000

Heidel, Caris-Petra: Zur Gründungsgeschichte der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden (gegr. 1818)

Herter, K. & Becker, K. (1973): Festschrift zum 200jährigen Bestehen der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 13: 1-175

Herter, K. und K. Bickerich 1973): Die Mitglieder der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in den ersten 200 Jahren des Bestehens der Gesellschaft 1773-1972.  Sber. Ges. Naturf. Freunde Berlin (N.F.) 13: 59-157

Wunderlich, Dieter: Eigensinnige Frauen, Piper TB

 

Vortrags-Gliederung

 

1. die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin (gegründet 1773)

2. Vergleich GNF/GNH

3. Wesentliche Faktoren für Eigenentwicklungen

4. Andere Wissenschaftliche Gesellschaften in Berlin

5. Bedeutung einer Mitgliedschaft in der GNH, Zukunftsmöglichkeiten und –aussichten für die GNH