10.06.2010 Vortrag Hesse


200 Jahre Gesellschaft für Natur- und Heilkunde Berlin

Die Freundschaft zwischen Alexander von Humboldt und Carl-Ludwig Willdenow

Volker Hesse

Kurzfassung

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

große Leistungen haben ihre Wurzeln. Der Universalgelehrte Alexander von Humboldt hatte in seiner Jugend gute und weniger anregende Lehrer.

Beim Erwerb botanischer Kenntnisse war für ihn ein junger Gelehrter, auf den er aktiv zuging, die Schlüsselfigur, dies war Carl-Ludwig Willdenow.

Carl Ludwig Willdenow – Leben und Werk

Carl-Ludwig Willdenow wurde am 22. August 1765 als einziger Sohn des Apothekers Carl Johann Willdenow in Berlin geboren. Sein Vater war der Besitzer der Apotheke „Unter den Linden“.

Für seine botanischen Studien war es ein Glücksumstand, dass sein Onkel Johann Gottlieb Gleditsch Professor für Anatomie und Botanik am Collegium medico-chirurgicum und zusätzlich  Direktor des Botanischen Gartens in Berlin war.

Nach dem Schulbesuch am Berliner Werder Gymnasium erhielt Carl-Ludwig. Willdenow eine Ausbildung in der Apotheke seines Vaters.

 

Carl Ludwig  Willdenow (1765-1812)

Eine botanische Ausbildung bekam er durch seinen Onkel Johann Gottlieb Gleditsch, der ihn auch zur Anlegung eines Herbariums anregte. In Chemie wurde er privat durch den Entdecker des Urans und Entdecker und Mitentdecker weiterer 9 Elemente( genannt seien Titan, Zirkon, Strontium, Chrom, Tellur und Cersen)  den berühmten  Martin Heinrich Klaproth unterrichtet.

Nach einer pharmazeutischen Zusatzausbildung in dem „Bildungsinstitut für Pharmazeuten“ Johann Christian Wieglebs (1732-1800) in Langensalza studierte C.L. Willdenow ab Ostern 1785 zwei Jahre  Medizin an der Preußischen Universität Halle.

Noch als Medizinstudent verfasst Carl-Ludwig Willdenow eine botanische Schrift, die ihn bekannt machte. Sie trug den Titel: „Prodomus florae Berolinensis“.

Die „Berliner Flora“ fand viel Anerkennung und diente auch Alexander von Humboldt, der zu dieser Zeit in Frankfurt/ Oder studierte, als botanische Studienhilfe.

Von 1790-1798 hatte Carl-Ludwig Willdenow die Leitung der väterlichen Apotheke „Unter den Linden“ inne. Seit dem  16. Januar 1794 ist C.-L. Willdenow (laut  Mitgliederliste) ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

1798 wurde er Professor für Naturgeschichte am Berliner Collegium medico-chirurgicum.

1801 erfolgte die Berufung zum  Vorsteher (Direktor) des botanischen Gartens sowie die Ernennung zum Botanisten der Akademie der Wissenschaften und öffentlicher Lehrer der Botanik bei der Pépinière und dem  Forstdepartement.

Nach der Gründung der Berliner Universität 1810 wurde C.L. Willdenow der 1. Ordinarius für Botanik. Mit Schaffung dieser Professur grenzte sich die Botanik eindeutig  als eigenständiges Fach von der Medizin ab.

 

1810 gehörte C.-L. Willdenow zu den Begründern der Gesellschaft, deren 200. Bestehen wir in diesem Jahr feiern – der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Er hat die Mitgliedsnummer 6.

 

Gründungsmitglieder der Gesellschaft für Natur u. Heilkunde 1810

( unten links Carl Ludwig Willdenow)

Von Willdenows bekanntesten Werken seien genannt:

„Flora Berolinensis Prodromus“, (1787)

„Grundriss der Kräuterkunde zu Vorlesungen entworfen“, (1792), 7 Auflagen

Phytographia sen descriptio rariorum minus cognitarum plantarum, (1794) (Sammlung von Abbildungen seltener Pflanzen)

„Berlinische Baumzucht“, (1796)

„Caroli a Linné, Species plantarum 1797-1810, (9 Bände, davon 7 Bände von Willdenow  bearbeitet, dieses Werk begründete besonders Willdenow Ruhm als großer Systematiker)

„Hortus Berolinensis“, (1803), 1816

„Anleitung zum Selbststudium der Botanik“, (1804, 1809)

„Enumeratio plantarum horti regii botanici Berolinensis“, (1809)

 

Pflanzenabbildungen  aus

C.L. Willdenows“ Anleitung zum Selbststudium der Botanik“ und Titelblatt

des Festprogramms zum 200-jährigen Bestehen der GNH

 

Daneben hatte Willdenow noch zahlreiche kleinere Schriften publiziert. So allein im Magazin der „Gesellschaft naturforschender Freunde“, der er wie auch A. v. Humboldt angehörte, in den Jahren 1807-1812, 26 Artikel.

 

Alexander von Humboldts botanische Ausbildung

 

Die „Berliner Flora“ war, wie eingangs erwähnt, das Werk Willdenows, das der junge Humboldt, der in Frankfurt/Oder 1787 bei Prof. Wünsch ein Privatissimus über die Ökonomie des damals berühmten Göttinger Professor Beckmann hörte, bei seinen systematischen Botanikstudien nutzte.

Humboldt teilt uns  in seinen Aufzeichnungen „Ich über mich selbst 1769-1790“mit, wie er mit Willdenows Werk im Rahmen der Vorlesung von Prof. Wünsch bekannt wurde.

„Er fing an mit botanischen Vorkenntnissen. Seine eigene Unwissenheit und sein Vortrag waren abermals weit entfernt mir Lust zur Botanik einzuflößen, doch sah ich ein, dass ich ohne Pflanzenkenntnis ein so vortreffliches Buch als Beckmenns Ökonomie nicht verstehen könne. Wir besaßen durch Zufall Willdenows Flora Berolinensis, (die 1787 erschienen war, d. Verf.). Es war ein harter Winter. Ich fing an, Pflanzen zu bestimmnen, aber die Jahreszeit und Mangel an Hilfsmitteln machte allen Fortschritt unmöglich.“

Von E. L. Heim lernten die Brüder das Linnésche Pflanzensystem. In Heims Tagebuch findet sich unter dem 30.07.1781 ein entsprechender Satz.: “Nach Tegel geritten und bei der Frau Majorin von Humboldt zu Mittag gespeist, dem jungen von Humboldt die vierundzwanzig Klassen des Linnésche Pflanzensystems erklärt, welche der ältere sehr leicht fasste und die Namen gleich behielt (Dobat 1985).

 

A.von Humboldt und C.L.Willdenow

 

Alexander von Humboldt (1769-1859)

Humboldt schreibt diese Lebensperiode charakterisierend später: „Ich fühlte aufs neue die Notwendigkeit botanischer Kenntnisse, quälte mich mit neuem Eifer, Pflanzen nach Willdenows Flora zu bestimmen. Ich legte nun (selbst) ein förmliches Herbarium an, und da man mir nun zuerst gestattete, allein auszugehen, fasste ich den Entschluß, unempfohlen Willdenow selbst aufzusuchen. Von welcher Folge war dieser Besuch für mein ganzes Leben! Schriebe ich ohne diesen diese Zeilen aus dem Königreich Neu-Granada? Ich fand in Willdenow einen jungen Menschen, der damals unendlich mit meinem Wesen harmonierte.(…) Ich sah zum ersten mal in meinem Leben die Palmen des botanischen Gartens, ein unendlicher Hang nach dem Anschauen fremder Produkte erwachte in mir. In 3 Wochen war ich ein enthusiastischer Botanist. Willdenow trug sich damals mit der Idee, eine Reise außerhalb Europas zu machen. Ihn zu begleiten war der Wunsch, der mich tags und nachts beschäftigte. (A. v. Humboldt, „Ich über mich“ ,S. 33-34)

A.von Humboldt unternahm in Berlin selbst botanische Exkursionen, die ihm allein aber nicht so recht gefielen. So teilte er seinem Frankfurter Studienfreund Wegener nach einer Exkursion in den Berliner Tiergarten am 25.02.1789 mit:

„…Wie traurig so allein herumzuwandern! Doch hat auch von einer anderen Seite betrachtet, dies Einsame in der Beschäftigung mit der natur etwas Anziehendes…Mein Freund Willdenow ist noch der einzige, der dieses mit mir empfindet…“.

Der eigenständig unternommene Besuch Humboldts bei den 4 Jahren älteren Willdenow wurde der Beginn einer fast 25 jährigen Freundschaft, die bis zum frühen Tode Willdenows im Jahre 1812 fortdauerte. Nach W H. Hein geht auf Willdenows Schule Alexander von Humboldts spätere Sicherheit im Bestimmen von Pflanzen zurück (W. H. Hein, 1985).

Nachdem Alexander von Humboldt von Mitte August 1790 bis Ende April 1791 die Handelsakademie in Hamburg besucht hatte, weilte er 5 Wochen in Berlin, um danach sein Studium an der Bergakademie  Freiberg in  Sachsen fortzusetzen.

Die kurze Zeit  in Berlin nutzte er zu botanischen Exkursionen mit Willdenow und studierte Ulsteris“Journal der Pflanzenkunde“, auch  erprobte er bei Keimversuchen die akzelerierende Kraft des Chlors( Biermann,1989).

1793 publizierte A.von Humboldt in Anlehnung an Willdenows Berliner Flora seine Schrift über die Freiberger Flora, die unter dem Titel:

“Flora Fribergensis specimen“ erschien und C.-L. Willdenow gewidmet wurde („Carolo Ludowico Willdenow hasce phytologias sua primitias“).

Willdenow beeindruckte diese Schrift Humboldts. Humboldt schreibt am 07.03.1792 an den Freiberger Freund Johann Carl Freiesleben. „Willdenow hat mich erst den Werth meiner Flora fribergensis recht fühlen lassen. Er findet alles neu und merkwürdig, und hat mich sehr zu einer sorgfältigen Ausarbeitung ermuntert“. Humboldt hatte eigenständig, für Willdenow vielleicht sogar zum Teil, neue Ideen in dem Werk zum Ausdruck gebracht.

Humboldt und Willdenow blieben weiterhin eng verbunden. Leider sind uns aber nur wenige Briefe eines sicherlich umfangreichen Briefwechsels erhalten geblieben.

Die enge persönliche Beziehung beider Persönlichkeiten kam auch darin zum Ausdruck, dass A. von Humboldt die Patenschaft bei Willdenows erstem und einzigen Sohn, dem am 01.07.1795 geborenem Carl Wilhelm Willdenow übernahm.

Nachdem er von er Geburt des Kindes gehört hatte schreibt Humboldt, der sich auf einer Reise in Oberitalien befand, sehr herzlich: „Lieber Bruder und Gevatter: Ich kann Dir nicht sagen, mit welcher  innigen Theilnahme ich Deine beiden Briefe gelesen habe. Es gibt nun noch einen Menschen auf der Welt, den ich so innig liebe, der meinem Herzen so nahe liegt als Du. (…). Und noch dazu ein Junge! ein gesundes, starkes Kind! Im Winter hoffe ich den Knaben in meinen Armen zu halten und Euch zu umarmen.“ (Jugendbriefe An Carl-Ludwig Willdenow, 17.07.1795)

 

Humboldt berichtet Willdenow auch über seine wissenschaftlichen Forschungen. So schreibt er am 20.12.1798 aus Bayreuth:“Mein grosses physikalisches Werk über den Muskelreiz und chemischen Process des Lebens ist fast vollendet. Es enthält an 4000 Versuche und auch viel über Pflanzenphysiologie…Ueber Respiration der Pflanzen habe ich diesen Sommer viel experimentiert…..

Du siehsts heraus, mein lieber Willdenow, dass ich zwar weniger schreibselig bin als andere, aber gewiss nicht unfleissiger.“

Im Hinblick auf den knapp 1½ jährigen Sohn Willdenows scherzt er:    „ Mache nur, dass das gute Pathchen schnell heranwächst, damit ich es nach Indien mitnehmen kann. Meine Reise ist unerschütterlich gewiss…“.

 

A.von Humboldt –Abreise nach Amerika

 

Humboldt war 1798 von Salzburg über Paris nach Marseille gereist, um von dort mit dem Botaniker und Arzt Aimé Bonpland nach Nordafrika zu reisen.

Die Überfahrt war wegen des Napoleonischen Kriegs nicht möglich und so fuhr  er mit seinem Begleiter über Barcelona und Valencia nach Madrid, wo er vom spanischen König Carlos dem IV. die Genehmigung zum Bereisung der amerikanischen spanischen Kolonie erhielt. Vor seiner Abreise sandte er Willdenow  Pflanzen, die er auf seiner Reise gesammelt hatte. In einem sehr persönlichen Brief, geschrieben in „Aranjuez, unfern Madrids“ am 20. April 1799, mit einem Nachtrag vom 05.06.1799 aus La Coruna heißt es:

(…). Wenn Du diese Pflanzen durchgehst, so wirst Du Dich überzeugen, dass kaum ein Tag vergangen ist, an dem nicht in Wäldern, Wiesen und am Meeresufer Dein Andenken mir lebendig gewesen ist. Ueberall habe ich für Dich gesammelt und zwar nur für Dich, da ich selbst erst jenseits des Oceans mein eigenes Herbarium anfangen will.“

Das Schreiben schließt mit den Worten:

„Wenige Stunden vor meiner Abreise mit der Fregatte“Pizarro“ muß ich noch einmal, mein guter, mein Andenken in Dir zurückrufen….. Umarme Deine liebe Gattin, Dein Kleines, Hermes und grüße Zöllner, Bode, Klaproth, Hermbstaedt und wer meiner gedenkt. Ich hoffe wir sehen uns gesund wieder. Alle meine Instrumente sind schon an Bord.- Dein Andenken begleitet mich…… (Jugendbriefe 471).

 

Diese Zeilen drücken die enge freundschaftliche Verbindung Humboldts zu Willdenow aus.

 

Briefe aus Amerika

 

Von Humboldts Reise nach Süd- und Mittelamerika sind nur drei an  Willdenow gerichtete Briefe nachweisbar. Zwei dieser Briefe wurden in Havanna (Cuba) geschrieben, (ein Brief vom 21. Februar 1801 und ein Brief vom 04.März 1801), ein weiterer Brief

( vom 29.04.1803) in Mexiko. In diesem signalisiert Humboldt seine Rückreise.

Er informiert Willdenow, dass er seine Reisebeschreibung nach Fachgebieten ordnen will und das Botanische Werk gemeinsam mit Bonpland  nach „nova genera und species“, aber auch nach dem Linnéschen Prinzip beschreiben will, wobei er hofft, über 5-600 Species berichten zu können.

Im Falle seines Todes bittet er Willdenow, seine botanischen Manuskripte (über die sein Bruder Wilhelm von Humboldt verfügt) in seinem und Bonpland´s Namen zu editieren.

Zum deutlicherenVerständnis von Humboldts Aussagen seien einige wichtige Textzeilen dieser Briefe Humboldts an Willdenow zitiert:

„Ich bleibe meinem alten Versprechen getreu, daß alle, alle in dieser Reise gesammelten mir gehörigen Pflanzen Dein sind. Ich will nie etwas besitzen. Nur muß ich Dich bitten, da ich mir nach meiner Zurückkunft die Publikation vorbehalte mein Herbarium vor dieser Publikation oder vor meinem Tode nicht Deiner Sammlung einzuverleiben……Solltest Du indes in den zwei Kisten, die Fraser (englischer Botaniker,1750-1811 dem Humboldt ein Teil seiner Pflanzensammlung anvertraut hat ) Dir einhändigen kann, neue Spezies entdecken, die Deine Aufmerksamkeit besonders auf sich ziehen, so steht es natürlich ganz in Deinem Willen, einzelne derselben, nur nicht viele und alle, in Deiner vortrefflichen Ausgabe der Spezies einzuschalten. Im Gegenteil, es wird uns (Bonpland und mir) sogar eine besondere Ehre sein, von Dir in so einem Werk erwähnt zu werden.“

Zum Schluss des Briefes wendet er sich noch einmal sehr persönlich direkt an Willdenow mit dem Wunsch:

„Und Du, mein Guter, wie führst Du im häuslichen stillen Glück Dein arbeitsames Leben fort……(…)“…und weiter heißt es:

Träume ich mir dann bisweilen ein glückliches Ende dieser gefahrvollen Irrfahrt, träume ich mich an die Ecke der Friedrichstraße in Dein altes Zimmer, Deinem Herzen immer gleich nahe….. Eine innere Stimme sagt mir, dass wir uns wiedersehen.“

Der Brief schließt mit den Worten:

„In brüderlicher Liebe. Dein alter Schüler“  (  K.R. Biermann: A. v. Humboldt, Aus meinem Leben, S. 170-178; W.H. Hein, A. v. Humboldt, Leben und Werk, 155).

Humboldt schickte bereits 1801  von Cuba aus 1600 Pflanzen in  herbarisierter Form an Willdenow nach Berlin (Dobat 1985).

 

Analyse und wissenschaftliche Systematisierung der in Amerika gesammelten Pflanzen Humboldts und Bonplands

 

Nach Humboldts und Bonplands Rückkehr von Amerika war es zunächst Bonpland, der 1808 und 1809 in 2 Bänden unter dem Titel: „Plantae aequinoxiales“ eine Beschreibung eines Teils der in Amerika gesammelten Pflanzen vornahm.

Die Arbeit ging jedoch, da sie für Bonpland sehr mühselig war und er  Privatbotaniker von Napoleons Frau, der Kaiserin Josefine  in Malmaison geworden war, nur schleppend voran.

Humboldt bat deshalb im Mai 1810 seinen Freund, C.-L. Willdenow ,der als Pflanzensystematiker hohe Anerkennung genoss , nach Paris zu kommen, um dort seine und Bonplands botanischen Schriften und das Herbar durchzusehen und die Pflanzen zu beschreiben.

 

Carl Ludwig Willdenow   ( J. Leopold 1810/1811)

 

Willdenow beschäftigte sich in Paris mehrere Monate mit dieser gewaltigen Aufgabe, musste aber dann infolge einer Erkrankung nach Berlin zurückfahren.

Nach Berlin zurückgekehrt verstarb er hier am 10. Juli 1812, kurz vor seinem 47. Geburtstag. Die Beisetzung erfolgte  auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Sein Grabstein befindet sich heute zur ständigen Erinnerung an diesen Pionier der Botanik in der Eingangshalle des Botanischen Museum in Berlin-Dahlem.

Auf dem Grabstein stehen die ehrenden Worte:

„ Unsterblich sein Andenken als Naturforscher

durch seine Schriften und seine Lehren

für die ganze Welt „

 

1813 bat Humboldt Willdenows Schüler Karl Sigismund Kunth (1788-1850), den Neffen seines ehemaligen Erziehers Gottlob Johann Christian Kunth, nach Paris zu kommen und das Werk Willdenows fortzuführen.

In 11jähriger Arbeit gelang es Kunth, den aus Amerika mitgebrachten Pflanzenschatz zu beschreiben und zu systematisieren. Die Ergebnisse legte er in der Schrift: „Nova genera et species plantarum“ nieder. Für diese Schrift hatte bereits C. L. Willdenow einige Pflanzentafeln gezeichnet. Auch A. v. Humboldts Skizze der“ Anguloa superba“ ist in diesem Werk enthalten.

 

Pflanzengeographie bei Willdenow und A. von Humboldt

 

Eine der größten wissenschaftlichen Leistungen Alexander von Humboldt,  die Beschreibung der Pflanzengeographie geht in ihren Ursprüngen wahrscheinlich zu einem großen Teil auf Willdenow zurück.

In den wenigen Monaten der Berliner Kontakte in den Jahren 1788/1789 hat  dieses Thema zwischen Beiden sicher eine große Rolle gespielt.

Willdenow hatte bereits 1792 im –„Grundriß der Kräuterkunde“  ein 40 Seiten umfassendes Kapitel publiziert, das sich mit pflanzengeographischen Aspekten beschäftigt. Hier heißt es

u. a.:

„Unter Geschichte der Pflanzen verstehen wir den Einfluß des Klimas auf die Vegetation, die Veränderungen, welche die Gewächse wahrscheinlich erlitten haben, wie die Natur für die Erhaltung derselben sorgt, die Wanderung der Gewächse und endlich ihre Verbreitung über den Erdball“

Bereits 1807 hatte Humboldt seine wesentlichen Erkenntnisse über die Pflanzengeographie in dem Werk: „Essai sur la geographie des plantes“ publiziert und persönlich eine Übertragung ins Deutsche vorgenommen. Die Schrift erschien in erweiterter Form unter dem Titel:

„Ideen zu einer Geographie der Pflanzen“ 1807 und war Johann Wolfgang von Goethe gewidmet

Humboldt verweist in diesem Buch über die Pflanzengeographie integer auf den vortrefflich ausgearbeiteten Abschnitt zur Pflanzengeographie in Willdenows „Grundriß der Kräuterkunde“ von 1802 und hier speziell auf den Abschnitt „Geschichte der Pflanzen“ des Werkes. Neben diesem speziellen Hinweis erwähnt Humboldt Willdenow neben anderen Persönlichkeiten  bereits im Vorwort dieser Schrift mit den Worten: „Andere Beobachtungen verdanke ich den klassischen Schriften meines vieljährigen Freundes und Lehrers Willdenow.“

 

Ein Teil von Humboldts Herbar befindet sich heute im Botanischen Museum zu Berlin. Der Direktor des Museums Herr Prof.H.W. Lack hat 2009  ein großartiges Werk  zu dieser Thematik herausgegeben, das unter dem  Titel: „ Alexander von Humboldt und die botanische Erforschung Amerikas“ erschienen ist.

 

Ausklang

 

Mit Kunth´s Werk“Nova genera et species plantarum“ wurde auch das Vermächtnis C.-L. Willdenows erfüllt, das gerade in diesen Tagen eine besondere Würdigung in der Ausstellung des Botanischen Museums „Humboldt´s grüne Erben“ findet.

Man könnte den Titel aus der lokalen Berliner Kolorit heraus ergänzen zu:

„Humboldts und Willdenows grüne Erben“.

 

 

 

Berlin hat Carl Ludwig Willdenow durch zwei Straßenbenennungen in Lichtenrade und im Wedding  gewürdigt. Die Orte wurden von dem ehemaligen Präsidenten der Gesellschaft für Natur und Heilkunde H. H. Wegener eindrucksvoll in der Schrift:„ Reflexionen über die Gesellschaft für Natur-und Heilkunde in Berlin“ 1995 beschrieben.

 

( aus H.H. Wegener :  Reflexionen über die Gesellschaft

für Natur und Heilkunde in Berlin, 1995)

 

Das Botanische Museum gibt seit Jahren als Periodikum die Zeitschrift „Willdenowia“  heraus.

Nach Humboldt sind in Berlin  drei  Straßen benannt (in Lichtenrade, Grunewald und Reinickendorf), zusätzlich gibt es eine Humboldtmühle, eine Humboldtsteg und einen Alexander- von-Humboldt-Weg.

Der Name Alexander von Humboldt ist weltweit ein Begriff  u.a. sind  Flüsse, Berge, ein Mondkrater, Pflanzen und  Tiere nach ihm benannt worden.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Die Freundschaft zwischen Alexander von Humboldt und Carl-Ludwig Willdenow war eine Lebensfreundschaft, die wissenschaftlichen Austausch mit persönlicher menschlicher Nähe verband.

 

 

 

C. W. Willdenow                                    A.v. Humboldt,

(Irma Langheinrichs 1974)                    (William Simpson 1856)

 

Dieser Freundschaftsbund führte zu einer Bereicherung des Wissens über die Natur, aus dem wir noch heute schöpfen können.

 

Berlin, den 10. Juni 2010

Botanisches Museum ( Blütensaal)

 

Ausgewählte Literatur

Biermann, K. R..: Alexander von Humboldt:“ Aus meinem Leben“ Autobiographische Bekenntnisse , C. M. Beck, München, 2. Auflage (1989)

Biermann, K.R.: Alexander von Humboldt, G. Teubner, Leipzig (1983)

Dobat, K.: Alexander von Humboldt als Botaniker. In: Alexander von Humboldt. Leben und Werk. Hrsg. von Wolfgang-Hagen Hein. Frankfurt/M, (1985), 167-193

Eckardt, Th.: Zum Gedenken an den 200. Geburtstag von Carl Ludwig Willdenow *22. 8. 1765 -10. 7. 1812, Willdenowia  4/1 (1959) 1-21

Hein, W. H.: Alexander von Humboldt und Carl Ludwig Willdenow. Pharmazeut. Zeitung, 164 (1959), 467-472

Hein, W.H.: Der junge Alexander von Humboldt und die wissenschaftliche Pharmazie in :W. H. Hein (Hrsg.) Alexander von Humboldt. Leben und Werk. Frankfurt/M (1985), 153-166

Jahn, I., F. G. Lange: Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts (1787-1799). Akademie-Verlag, Berlin (1973)

Jahn, Ilse: Carl Ludwig Willdenow und die Biologie seiner Zeit. In: Wissenschaftliche Zeitschr. d. Humboldt-Univ. zu Berlin. Math.-Nat. R. XV (1966), 803-812

König, C.: Die historische Entwicklung der pflanzengeographischen Ideen Humboldts Naturwissenschaftl. Wochenschr. X, (1895), 77-124

Lack, H. W.: Alexander von Humboldt und die botanische Erforschung Amerikas. Prestel München Berlin London New York 2009